Grußwort Pfarrerin Reichelt

Liebe Gemeinden,

 

es ist eine Zeit der Wandlungen und Unwägbarkeiten. Wir wissen nicht, ob das, was heute gilt, morgen noch genau so sein kann. Täglich werden die Meldungen aktualisiert, korrigiert. Beinahe täglich ist es nötig zu neuer Orientierung zu finden. Man fühlt sich verloren und lebt doch gleichzeitig das eigene Leben weiter. Was auch sonst!
Das alte Symbol des Labyrinths nimmt dieses Lebensgefühl auf. Offensichtlich haben Menschen zu allen Zeiten ähnliches erlebt. Sie waren unsicher – und gleichzeitig wie in einem umgrenzten Raum geborgen. Das Leben schien auf eine ultimative Grenze zuzulaufen – oder musste man weitergehen. Es war eine Sackgasse. Aber dann wendet man sich um sich selbst. Und gerade durch diese Wendung beginnt der Weg neu.
Das Labyrinth zu gehen, immer wieder erinnert an diese alten Erfahrungen. Für glaubende Menschen war es immer wieder neu eine Erfahrung Gottes mitten in ihrem eigenen Leben. Gerade jetzt ist es wohl wichtig, dass nicht nur mit den Gedanken und dem Verstand in sich aufzunehmen, sondern es ganz intensiv an sich selbst zu erfahren, im eigenen Gehen. Immer wieder neu entdecken: Ah, der Weg geht weiter. Der Gott, der mich „bisher hat ernähret“, der wird es auch weiter tun. Der, der bisher Begleiter war, geht durch alle Zeiten mit. Ich bin geborgen in einem umgrenzten Raum, in meinem mir geschenkten Leben. Und daraus falle ich nicht heraus. Nie. Wie chaotisch und unübersichtlich auch alles wirken mag.
Das Labyrinth ist neben der Kirche in Großsteinberg unter freiem Himmel. Man geht es allein, hintereinander. Sicherheitsabstand ist kein Problem. Man kann es tanzen: „Mensch lerne tanzen, sonst wissen die Engel im Himmel nichts mit dir anzufangen“ (Augustinus zu geschrieben),
über die Grenzen springen: „Mit meinem Gott kann ich über Mauern springen“,
still gehen: „Es ist also dem Volk Gottes noch eine Ruhe übrig“.
Man kann es auch mit den Augen abschreiten. Das ist dann eine besondere Konzentrations- und Glaubensübung.
Und ist allen möglich, auch allen unter uns, die gerade nicht so einfach von Ort zu Ort kommen. Probieren Sie es aus.
Wie auch immer Sie gehen: Gott geht mit.
Ihre Pfarrerin Bettine Reichelt

 

Posted in Aktuelles on 16. August 2019.