Grußwort Pfarrerin Reichelt

Liebe Gemeinden,

 

Wenn das Weizenkorn nicht auf die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht. (Joh 12,24)

 

Die Wandlung ist der Normalzustand des Lebens. Innerhalb von sieben Jahren sterben alle Zellen unseres Körpers ab und machen neuen Raum. Geschieht dies nicht, wandeln wir uns nicht, führt das zu schwersten Erkrankungen bis zum Tod. Wandlung ist ein Wunder und ein Geschenk.

Und sie ist schmerzhaft. Denn das, was mir vertraut und lieb war, was ich mir immer so und nicht anders gewünscht habe, das wird nicht bleiben. Es stirbt in mir beständig und es wird in mir beständig neu. Nur so ist Leben möglich. Stillstand bedeutet den Tod. Wenn das Herz nicht mehr schlägt, ist der Mensch nicht mehr am Leben. Wenn der Atem nicht mehr fließen kann, ein und ausgeht, den Körper und auch sich selbst in der Zusammensetzung verändert, stirbt der Mensch. In dieser Form der Wandlung besteht das Geheimnis des Lebens. So kann es Frucht geben und damit Zukunft.

Oft aber kommt einem der Abschied vom Alten wie ein Zustand vor, der sich nie wandeln wird. Dunkel, bedrohlich, undurchdringlich und eintönig. Dorthin fällt kein Sonnenstrahl. Aber hebt man nur ein wenig den Blick, so kann es geschehen, dass man über diesem Dunkel und aus dem Dunkel heraus etwas Neues entdeckt. So hat es Kerstin Teichert in ihrem Foto eingefangen: Über dem Dunkel des Steinbruchs in Waldsteinberg entsteht ein fragiles Kreuz. Es war nur für Sekunden oder Minuten sichtbar. Zwei Wege, eine Perspektive. Das Kreuz, das ja als Zeichen für einen brutalen Foltertod seine Bedrohlichkeit nie verloren hat, entsteht nur aus der Perspektive des Betrachters. Baum und Flugzeugspur stehen jeweils auch für sich selbst. Aber aus diesem Blickwinkel verbinden sie sich zum christlichen Symbol des Kreuzes, dem Symbol der Wandlung.

Für jeden Waldfreund macht wohl diese Begegnung die Bedrohung unserer Umwelt deutlich. Die Flugzeugspur und der kahle Baum, der sich in sie hineinreckt. Eine tödliche Begegnung, eine Bedrohung, die auch am Menschen nicht vorbeigehen wird.

Und doch: Symbol der Wandlung: die Wolken werden sich auflösen, Weite wird sein, himmelsoffen, regenfreundlich vielleicht. Eine Grenze löst sich auf. Und in diesen offenen Himmel hinein reckt sich fast trotzig der Baum, der wieder Blätter haben wird, Blüten, Früchte. Ursymbol für Hoffnung: Wandlung zu neuem, ungeahntem, unerwartetem Leben.

 

Ihre Pfarrerin Bettine Reichelt

Posted in Aktuelles on 16. August 2019.