Grußwort Pfarrerin Reichelt

Liebe Gemeinden,

Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke, das erkennt meine Seele.                                                     Psalm 139,14

 

An einem lauen Sommerabend im Freien sitzen und die Stille genießen, die es so nur in dieser Zeit zu erleben gibt. Vielleicht spiegelt sich das Licht im See. Die Luft ist leicht und umhüllt uns wie ein freundlicher Mantel. Vielleicht hat es am Tag geregnet. Dann schwingt in der Luft eine leichte frische Brise mit.

Wenn man dann an einem solchen Abend eine Sinnformel für das Leben finden müsste, dann trüge sie wohl in sich das Wunder des Heiligen wie das leise Weh des Abschieds und der Vergänglichkeit, das im August von den abgeernteten Feldern und den späten Sommerblumen verkündet wird. Die Höhe des Jahres ist überschritten. Die Fülle des Herbstes kündigt sich an. Aber noch ist Sommer, noch spürt man die Hitze in den Gliedern, noch freut man sich über jeden noch so geringen Regenschauer, noch sind die Abende lang und die Tage gleißend. Es atmet Ewigkeit in den Tagen des Sommers.

Vielleicht liegt das auch daran, dass das Leben der meisten nicht mehr vom Schwanken der Erntewagen oder dem Rattern der Mähdrescher bis in die Nacht bestimmt ist, sondern im Sommer auch die Zeit des Innehaltens zwischen Arbeit und Arbeit ist, zwischen Schuljahr und Schuljahr.

Und das gilt ebenso in diesem Jahr: Sommerzeit, den Schalter auf Pause stellen, den Abend still unter dem hohen weiten Himmel verbringen. Vielleicht brauchen wir alle dies mehr noch als in anderen Jahren.

Der Vers aus Psalm 139 erinnert an diese Fülle des Lebens, an die Schönheiten und an das Wunder des Seins. Und er erinnert daran, dass jeder Einzelne gewollt ist, egal ob jung oder alt, ob mit „Vorerkrankungen“ oder fit und belastbar. Jedem gilt dies. Ob es für Menschen fruchtbar wird, ob Lebensfreude und Genuss daraus wachsen, hängt nicht zuletzt davon ab, ob sie dafür danken können, ob ihnen überhaupt bewusst wird, wie wenig selbstverständlich das Leben ist. – Trotz aller Schwierigkeiten, trotz mancher Probleme, trotz der Unsicherheit, die in diesem Jahr mit jedem Tag verbunden ist: Auch jetzt, irgendwo zwischen Anfang und Ende der Zeit der Krise leuchtet das Kreuz über den Teich. Es leuchtet. Selbstverständlich breitet sich das Licht in alle Richtungen aus. Wie könnte es auch anders sein! Das ist die Art des Lichtes.

Und es ist auch die Art des Dankes. Wenn in mir das Gespür dafür vorhanden ist, dass ich wunderbar gemacht bin, dass einer „Ja“ sagte zu mir, ganz egal wie ich bin und trotz der Fehler und Einschränkungen, die eben auch zu mir gehören, dann kann sich etwas verändern. Dann kann etwas ausstrahlen, freundlich und still wie ein Licht am See. Und mein Leben atmet eine kleine stille selbstverständliche gottgeschenkte Sommer-Ewigkeit.

Ihre Pfarrerin Bettine Reichelt

 

Posted in Aktuelles on 16. August 2019.