Grußwort Pfarrerin Reichelt

Liebe Gemeinden,

Wer im Dunkel lebt und wem kein Licht leuchtet, der vertraue auf den Namen des Herrn und verlasse sich auf seinen Gott. Jesaja 50,10

 

Rot ist die Farbe der Weihnacht. Nur selten sieht man so viel leuchtendes Rot in den Straßen, an Fenstern. Die Tische haben rote Tischdecken. Im Adventskranz stecken rote Blüten. Rote Äpfel, poliert und strahlend liegen auf dem Tisch.

Rot ist die Farbe des Lebens, des Blutes. Eine warme Farbe, die ans Herz rührt. Rot ist die Farbe der Liebe und des Abendlichts. Inmitten der Kerze leuchtet es rot. Wie Feuer.

Wer im Dunkel lebt, der ist umhüllt von Schwarz. Nachtschwarz sagen wir, oder das war ein schwarzer Tag. Und man meint: Dieser Tag war wie die Nacht. Es wurde in mir gar nicht hell. Ich wusste nicht, woran ich war, wie ich mich orientieren sollte. Kein Lichtschein hat mich erreicht. Es war wie Nacht um mich. Ich habe nichts gesehen, kein Licht, keine Hoffnung.

In der dunklen Jahreszeit spüren wir das Bedrohliche und Unwägbare der Nacht deutlicher als in den lauen Sommernächten, in denen viele gern draußen sitzen und den Nachthimmel genießen. Das Wunder einer klaren Winternacht hat eine spröde Schönheit und ist schwerer als freudvoll zu empfinden.

Aber gerade in diesen dunklen Zeiten entzünden wir Feuer, lassen Kerzen leuchten, in deren Mitte das warme, pulsierende Rot des Lebens aufscheint. Gerade in diesen Tagen des Winters, den Zeiten eines spröden Glücks nähern wir uns, oft romantisch und voller Sehnsucht einem Ideal an, träumen davon, wie es unter den Menschen sein könnte: friedlicher vielleicht, liebevoller. Wie wäre es, wenn man geduldiger sein könnte? Wie wäre es, wenn ich einem, der es braucht, die Hand halte. Nicht besitzergreifend, sondern als ein stilles Dableiben. Wie eine Kerze am Fenster, deren kleines Rot sich spiegelt und vervielfältigt. Leise, stetig, lebendig.

Rot ist die Farbe der Weihnacht. In Belgershain leuchteten im vergangenen Jahr die roten Blüten stolz und ermutigend neben der Krippe: Seht, hier beginnt es neu. Seht, da ist ein Anfang, den keiner wollte, nicht so wollte. Und doch ist er da.

Es gibt ein Vertrauen, das die Nacht durchatmet, wie dunkel sie auch immer sein mag. Mitten im Dunkel, das bedrohlich sein kann, leuchtet die Kerze und trotzt der Nacht: Wage den Anfang. Traue dem Weg. Dort ist Zukunft und Wärme für dich.

 

Ihre Pfarrerin Bettine Reichelt

Posted in Aktuelles on 16. August 2019.