Grußwort Pfarrerin Reichelt

Liebe Gemeinden,

Suchet der Stadt Bestes und betet für sie zum HERRN; denn wenn’s ihr wohlgeht, so geht’s euch auch wohl. Jeremia 29,7

 

Das Leben ist ambivalent. Da ist man zu einem Picknick eingeladen und freut sich an all dem, was so liebevoll vorbereitet wurde, beginnt zu genießen – und auf den zweiten Blick entdeckt man, wie viel Plaste, wie viel Müll mit diesem Essen verbunden ist. Ist das vermeidbar? Gerade jetzt in einer Zeit, in der man so sehr auf Hygiene und Sauberkeit achten soll? Darf man dann überhaupt gemeinsam sich zum Essen treffen? Das Wunder und das Schöne sind nicht mehr einfach und ohne Nachdenken zu haben. Nicht die Ernte im Garten, nicht der Einkauf im Supermarkt und nicht der Urlaub. Nicht die Schulhefter und nicht die Büro-Utensilien und schon gar nicht die Fahrten mit dem Auto, wie nötig sie auch immer sind.

In die Dankbarkeit, die mit dem Herbst und der Ernte verbunden ist, mischt sich ein schales Gefühl. Das Beste suchen: Was heißt das gerade jetzt? Muss ich Antworten haben? Muss ich alles oder mindestens mich selbst rechtfertigen? Aber werden wir Menschen nicht auf diesem Wege zu unerträglichen Besserwissern, mit denen kaum noch auszukommen ist? Und wissen wir es denn wirklich besser?

Das Beste suchen scheint immer ein Weg zu sein. Und manchmal erweist sich das, was gut schien, plötzlich als falsch – und das Falsche als richtig. Urteile sind heikel. Es bleibt ein Suchen und ein Leben mit vorläufigen Antworten, die vielleicht nur für Tage, Wochen oder Monate gelten. Der „Teufel“ steckt immer irgendwo dazwischen. Das Wort der Schlange „Sollte Gott gesagt haben“ geht immer mit. Das gilt auch in Zeiten der Unsicherheit. Es ist nötig, dass jeder Einzelne und auch die politisch Verantwortlichen Verantwortung übernehmen. Und zugleich sind alle diese Antworten vorläufig und möglicherweise schon morgen nicht mehr tragfähig.

Vielleicht kann das gerade in dieser Zeit gelassener und toleranter werden lassen. Denn für das Dorf und die Stadt das Beste zu suchen, ohne es zu besitzen, gibt allen die Möglichkeiten ihren Anteil an der Suche beizutragen. Und wenn es uns in diesem Suchen gut ergeht, wir die vielen Antworten und Antwortversuche schätzen lernen, dann geht es auch unserem Umfeld gut – oder zumindest besser als man manchmal denkt. In diesem Jahr geht die Sehnsucht und die Suche nach dem Besten für unsere Dörfer und uns selbst in die Dankbarkeit des Herbstes ein.

Ihre Pfarrerin Bettine Reichelt

Posted in Aktuelles on 16. August 2019.