Begrüßungsworte

Liebe Gemeinden, liebe Leserinnen und Leser,

„Kalt, ganz kalt“, rufen die Eltern und Großeltern während die Kinder suchend durch den Garten streifen. Das Gehörte wirkt sofort. Sie laufen in die andere Richtung. Ihre Augen suchen hinter jedem Baum und hinter jedem Gebüsch. „Wärmer!“, sagen die Großeltern. Die Kinder behalten ihren Weg bei. Voller Unruhe sind sie. „Heiß!“, tönt es da durch den Garten. Hinter der Regentonne leuchtet ihnen das glitzernde Papier des Osternests entgegen.

 

Er fühlt sich leer und ausgebrannt seit der Arzt mit ihm gesprochen hatte. Fußballspielen ging nicht mehr. Sein Knie würde der Belastung nicht länger standhalten. Dabei war Fußball sein Leben gewesen. Jetzt weiß er nichts mehr mit sich anzufangen. Es zieht ihn noch immer jeden Tag zum Sportplatz, wenigstens zusehen. Als er diesmal zum Sportplatz kommt, spielen gerade ein paar Kinder. Wie ein Blitz durchzuckt es ihn plötzlich: er wird die Kinder im Dorf trainieren. Das wird sein Knie schaffen. Auf dem Heimweg stellt er fest, so lebendig hat er sich lange nicht mehr gefühlt.

 

Suchend und mit leeren Herzen steht Maria Magdalena am Grab. Tränen laufen ihr übers Gesicht. Nicht einmal der tote Jesus war ihr geblieben. Das Grab ist leer. Warum hatten sie ihn weggenommen? Schlimm genug, dass Jesus nicht mehr am Leben war. Er hatte sie heil gemacht. Ausgerechnet er musste diesen bitteren Tod am Kreuz sterben. Nach Antwort suchend fragt sie den Gärtner. „Maria“, sagt der und im Tausendstel einer Sekunde erkennt Maria: Jesus ist nicht tot. Er lebt. Das leere Grab hat es Maria nicht verstehen lassen, aber dieses eine an sie gerichtete Wort. Dieses Wort weist ihr den Weg aus dem inneren, ausweglosen Dunkel hin zum Leben. (Joh 20, 11ff.)

 

Ostern ist der Moment, in dem der Suchende findet und das leere Herz voll wird. Ostern ist die Rückkehr von Lebensfreude und Licht. Ostern siegt das Leben über den Tod. Von einem Moment auf den anderen, von anderen nicht logisch einsehbar. Denn Ostern ist eine persönliche Erkenntnis, nicht verall­gemeinerbar. Ostern ist der Blick nach vorn in eine von Gott geschenkte, lebensfrohe Zukunft.

Ostern fragt uns nach dem, was wir inniglich suchen, und hält uns offen für die Möglichkeit, dass sich das Tote in unserem Leben von einem Moment auf den anderen durch Gott in Leben verwandeln kann.

Ihnen und Ihren Familien von Herzen ein frohes und gesegnetes Osterfest!

Ihre Pfarrerin Susann Donner

Posted in Aktuelles on 7. August 2021.