Grußwort

Liebe Gemeinden, 

 

Philippus antwortete ihm: Brot für zweihundert Denare reicht nicht aus, wenn jeder von ihnen auch nur ein kleines Stück bekommen soll. Einer seiner Jünger, Andreas, der Bruder des Simon Petrus, sagte zu ihm: Hier ist ein kleiner Junge, der hat fünf Gerstenbrote und zwei Fische; doch was ist das für so viele?

Johannes 6,7-9

 

Fünf Brote und zwei Fische, was ist das schon. Davon wird eine Familie vielleicht kurzzeitig satt. Aber ein Dorf? Eine Stadt? Und so viele Menschen, die zu Essen bräuchten? Jetzt etwas bräuchten! Ein paar Brote und etwas Fisch. Was ist das schon! Beinahe nichts. So sehen es auch die Jünger: Was ist das schon – unter so vielen!

Wenn man auf die Strukturdebatte schaut oder über die Möglichkeiten redet, die der Einzelne in der Gesellschaft hat, hört man, höre ich immer wieder ähnliche Sätze: Was ist das schon … Und bedenke, wenn man das „richtig“ machen will … Und es muss doch auch gut werden … Am besten, man überlässt es den Profis, denen, die etwas davon verstehen … Meine Kraft ist dafür zu klein. Ich kann das nicht. Ich bin zu alt. Ich schaffe das nicht mehr. Es gibt viele Sätze, die mit gutem Recht gesagt werden – und doch nicht weiterhelfen, auch wenn sie wahr sind.

Ja, es ist wahr: die Kräfte jedes Einzelnen sind begrenzt. Umgrenzt von Zeit und Raum, von körperlichen Möglichkeiten, von psychischen oder intellektuellen Befähigungen. Das ist so. Zum Glück ist das so. Denn das verpflichtet geradezu zum Wagnis. Ohne immer wieder neu anzufangen, auszuprobieren, etwas zu wagen, was man bis zu diesem Moment noch nie probiert hat – oder woran man schon relativ häufig gescheitert ist und sich vielleicht endlich Unterstützung holen muss, wird nur das ewig Gleiche sich wiederholen, gibt es keine Aufbrüche, keinen Weg aus den scheinbaren Sackgassen heraus.

Es gibt viele Geschichten, die davon erzählen, wie aus dem scheinbaren Scheitern, gerade aus dem scheinbaren Scheitern ganz neue Möglichkeiten erwuchsen. Wir hätten keine Glühlampe und kein Rad. Thomas Alva Eddison soll über seine zahlreichen gescheiterten Versuche gesagt haben: Ich habe über 100 Möglichkeiten entdeckt, die Glühlampe nicht zu entwickeln. Es war kein Scheitern, sondern ein Ausschließen von Wegen – bis er den Weg entdeckte, der zum Ziel führte. Jedes scheinbare Scheitern führte ihn näher zum Ziel.

Manchmal möchte man aufgeben und mit den Jüngern klagen. Vor allem dann, wenn es wieder einmal nicht so funktionierte, wie erhofft. Aber gerade dann könnte es sein, dass man nur noch einen Fehlversuch von der Möglichkeit entfernt ist, die einen guten Weg in die Zukunft eröffnet.

Im Johannesevangelium reicht ein Junge Jesus das, was er hat: ein bisschen Brot und ein bisschen Fisch. Jesus sieht es mit Dankbarkeit an und erbittet dafür Gottes Segen. Unter dem Segen geschieht das, was keiner der Jünger für möglich gehalten hat: Menschen werden satt.

Welche Brote und Fische haben Sie?

 

Ihre Pfarrerin Bettine Reichelt

Posted in Aktuelles on 25. Februar 2015.