Grußwort

Liebe Gemeinden, 

„Ich bin die Tür; wenn jemand durch mich hineingeht, wird er selig werden und wird ein- und ausgehen und Weide finden.“

Johannes 10,9

Die Tür ist offen, zumindest einen Spalt. Und man sieht schon das Licht dahinter.

Die Tür ist offen, aber nicht ganz. Sie versperrt mir die Sicht. Sie könnte mir sogar entgegenschlagen. Sie ist fest und massiv, trennt mich von der anderen Seite. Ich weiß nicht genau, ob ich weitergehen will. Um mich ist schützender Raum. Ein Haus. Mein Haus. Was mich dort draußen erwartet, ist ungewiss. Ich bin mir nicht sicher, ob ich das wissen will.

Und doch ist diese Tür offen und lädt geradezu dazu ein durchschritten zu werden. Durch alle Ritzen funkelt mir das Licht entgegen. Ich muss nur gehen, einfach gehen. Aber wie schwer das ist: einfach weitergehen und dem Leben trauen, Gott trauen. Wie schwer es ist, mir selbst Zukunft zuzugestehen, nach allem, was ich erlebt habe.

Aber diese Tür lädt dennoch ein: Geh scheint sie zu sagen, geh. Öffne mich ganz. Lass dich überraschen und sei dir sicher: Gott ist ein Gott der Überraschungen. Du wirst immer auf ungeahnt wunderbar Neues treffen.

Biblisch gesprochen: Du Mensch, der du dich auf Glauben einlässt, wirst selig werden. Selig – mehr noch als einfach glücklich. Du wirst in einen Zustand der Geborgenheit und des Heilseins hineingenommen, der dein Leben heute und morgen und übermorgen und über den Tod hinaus umfasst. Du Mensch kannst ein- und ausgehen, frei und ohne Angst oder Zwang. Und du wirst genau das, was du heute brauchst erhalten.

Die sogenannten Ich-bin-Worte des Johannesevangelium gehören zu den bedeutendsten Symbolworten des Neuen Testaments. Sie helfen den Weg des Jesus von Nazareth, des Christus, immer wieder neu meditierend zu erfassen: Wie eine Tür ist er für uns, einer, der den Weg zu Gott hin öffnet, der die Bereiche trennt und durch dessen Leben, sein Sein hindurch wir zu Gott hin finden. Dort finden wir Leben in Fülle – wenn wir als Menschen, als Glaubende das Risiko eingehen und uns einlassen.

Die Passions- und Osterzeit ist eine Wegzeit in diesem Sinne. Sie lädt ein. Sie ermutigt, sie fragt und hinterfragt: Welchen Weg gehst du? Welche Tür durchschreitest du? Kannst du Leben riskieren? Hast du Mut zur Treue? Lässt du dich auffangen? Glaubst du, dass das Leben den Tod durchdringen kann, ja überwinden? Worauf vertraust du, Mensch?

Die Tür ist offen. Lass dich überraschen von Gott.

 

Ihre Pfarrerin Bettine Reichelt

Posted in Aktuelles on 25. Februar 2015.

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