Grußwort

Liebe Gemeinden,

die Bibel greift in ihren Aussagen häufig auf Begriffe und Bilder aus dem ländlichen Leben zurück. Ganz anders als heute arbeiteten zu biblischen Zeiten die meisten Menschen in der Landwirtschaft. Die natürlichen Rhythmen des Jahres und des Tages waren ihnen nur zu gut vertraut. Was auf dem Felde wann zu tun ist, gehörte zum Grundwissen. Die biblische Rede von Gott knüpft an diese Voraussetzungen an, will aber in ihren Anknüpfungen an das Sichtbare, Gegenständliche und Alltägliche immer auch etwas aussagen über den Glauben an den unsichtbaren Gott und über die Dinge jenseits der gegenständlichen Welt. Aus dem Neuen Testament sind uns hier die Gleichnisse Jesu vom Reich Gottes ein liebgewonnener Schatz, etwa das Gleichnis vom Sämann (Markus 4,3-9) und das Gleichnis vom Senfkorn (Markus 4,30-32). In seinen Gleichnissen macht Jesus die sichtbare Welt transparent, also „durchsichtig“ oder „anschaulich“, für Gottes größere Wirklichkeit, für Gottes Reich, das nicht einfach nur „oben“ oder fern in der Zukunft liegt, sondern das bereits jetzt erfahrbar ist und unser Leben bestimmen will.

Auch der Monatsspruch für den Sommermonat Juli, der sogar zurückreicht in die Zeit der Propheten des Alten Testaments (8. Jh. v. Chr.), bringt den Menschen den Willen Gottes durch Einbettung in die bäuerliche Lebenspraxis nahe. Es ist ein Wort des Propheten Hosea:

„Säet Gerechtigkeit und erntet nach dem Maße der Liebe! Pflüget ein Neues, solange es Zeit ist, den HERRN zu suchen, bis er kommt und Gerechtigkeit über euch regnen lässt!“ (Hosea 10,12) Säen, ernten, pflügen und regnen – all die unabdingbaren Voraussetzungen, damit gute Früchte wachsen können, werden genannt. Unübersehbar ist ebenso, worum es Gott nach den Worten des Propheten in unserem menschlichen Leben zwischen Säen und Ernten geht: um Gerechtigkeit. Seltsam widersprüchlich mutet die doppelte Weise an, in der von Gerechtigkeit die Rede ist. Gerechtigkeit begegnet als Aufforderung und Erwartung an uns Menschen (Säet Gerechtigkeit!); zugleich wird sie uns als Gabe Gottes fast wie eine Art Himmelsregen in Aussicht gestellt. Dass wahre Gerechtigkeit im Letzten Gottes Geschenk an uns ist, das schließt nicht aus, dass wir Menschen als Gottes Geschöpfe und Kinder unseres Vaters im Himmel ihm gerade darin hier und jetzt schon ähnlich werden sollen. Gottes Gerechtigkeit soll zu unserer Gerechtigkeit werden. Sein Maß der Liebe hat Gott nicht im Verborgenen gelassen. In Jesus Christus hat Gott uns seine Gerechtigkeit als seine unendliche Barmherzigkeit vor Augen gestellt, damit diese uns alle Angst nimmt und uns zum Tun der Liebe befreit: Pflüget ein Neues! Suchet den HERRN! Sein Reich ist nicht fern von dieser Welt.

 

Vielleicht nutzen Sie die hoffentlich vor ihnen liegende Zeit des Urlaubs und der Muße das eine oder andere Mal, um den Dingen noch mehr als sonst auf den Grund zu schauen und in ihnen Gottes größere Wirklichkeit zu entdecken.

 

Ihr Pfarrer Dr. Christoph Gramzow

 

Posted in Aktuelles on 25. Februar 2015.

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