Grußwort

Liebe Gemeinden,

Suche Friede und jage ihm nach. Psalm 34,15

wohl dem, der am Abend nach Hause geht und seine Wohnung, sein Haus, das eigene Zimmer unversehrt vorfindet. Ein Ort der Geborgenheit für viele. Ein friedvoller Ort. Seit einigen Jahren wird immer deutlicher, wie wenig selbstverständlich das ist. Nicht nur die Umzüge, die viele Menschen von Ort zu Ort treiben, zeigen es. Zu viele Menschen an zu vielen Orten müssen aus reiner Not aufbrechen. Vertrieben von Unfriede und Krieg. Das Fernsehen bringt es jeden Abend in die heimatliche Stube. Friede ist nicht selbstverständlich

Kann man hier im Frieden wohnen, wenn an anderen Stellen Bomben fallen, Menschen aus für uns nichtigen Gründen ins Gefängnis gehen? Wirkt sich das nicht alles auch hier aus, gerade da, wo wir leben?

Die Angst davor, dass es auch uns erreicht ist groß. Für viele heißt das offensichtlich: ich muss mich schützen. Und das geht nur, wenn die Grenzen dicht sind, wenn hier nur hereinkommt, wer genehm ist – und möglichst wirtschaftlich schnell brauchbar.

70 Jahre ist es her, dass Menschen sich zusammengefunden haben und für alle geltende Menschenrechte formulierten. Was bedeutet heute noch diese Deklaration der Menschenrechte? Jeder Mensch hat das Recht auf unverlierbare Würde, hat ebenso das Recht, sich seinen Wohnort frei zu wählen? Sind dies Träume von gestern? Heimat haben und Heimat gewinnen, einen Ort, an den man zurückkommen kann? Im Frieden nach Hause kommen, im Frieden aufbrechen – wohin auch immer man will?

Die Texte in der Weihnachtszeit fragen nach meiner Offenheit diesen Überzeugungen gegenüber. In der Offenbarung heißt es: „Gott will bei den Menschen wohnen und will ihr Gott sein.“ Das Johannesevangelium erzählt in seinem großen Hymnus von einem Gott, der im Menschen Wohnung nimmt. Matthäus und Lukas erzählen von dem Gott, der in einem Kind begegnet. Mit der neuen Jahreslosung begleitet uns das Thema über die Advents- und Weihnachtszeit hinweg das ganze neue Jahr über.

„Weihnachten stiehlt der Theologie die Worte und präsentiert ihr ein Kind“ sagt Jo Krummacher. Ein Kind, dass früh umgezogen ist: Nach biblischen Zeugnis beinahe unmittelbar nach der Geburt nach Ägypten, von dort nach Nazareth. Ein Kind, das vertrieben wurde, fremd war und Heimat finden musste. Es fand eine Heimat, die anders war als eine heimatliche Stube –aber ebenso bergend: Geborgenheit in dem einen Gott. Das gilt mir – aber ebenso den Menschen, die auf der Flucht sind, die umziehen, die wohnungslos sind. Sich dieser Offenheit zu stellen, macht frei und fordert heraus.

So soll Weihnachten sein: Mitten in den Zeichen der Zeit strahlt ein Licht auf, mitten in Hast oder Leere bereiten wir uns auf das Unfassbare vor. Die Pforten des Himmels öffnen sich und Herzen werden weit, um Gott als ein Kind darin wohnen zu lassen. Frieden wird möglich. Eine Heimat ist zugesagt, ein Ort anderer Art, die unseren Stuben nicht widerspricht, aber das Leben weitet. Dankbar, staunend, anbetend dürfen wir bekennen, wie auch immer das Leben aussehen mag: Wir sind gewollte und geliebte Menschen, in denen Gott selbst Wohnung nehmen will.

 

Ihre Pfarrerin Bettine Reichelt

 

Posted in Aktuelles on 25. Februar 2015.

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